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Tabakanbau und -verarbeitung

Wolfgang Schimmel

 

Tabak zum Rauchen und Kauen wurde in Mecklenburg etwa ab 1700 angebaut, in Neukalen wohl ab 1739. Jedoch ist darüber nichts weiter bekannt.

Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg 1775 - 1783 brachte den Import von Tabak zum Stocken. Damals steigerte sich der Anbau der subtropischen Pflanze in Mecklenburg noch einmal gewaltig. Die Ernte wurde im Land verbraucht, aber auch exportiert. Familien von Tabakplanteuren durchzogen das Land. Sie pflanzten, pflegten und ernteten in Absprache mit den Gutsbesitzer und Pächtern die Tabakpflanzen und teilten sich den Erlös mit diesen. Aus unserer Gegend sind folgende Tabaksplanteure überliefert, wobei es den Anschein hat, daß der Anbau von Tabak viele Jahre lang in Schlakendorf eine besonderer Rolle spielte:

 

Hans Daniel Ulrich (1787 ... 1804 +) in Schlakendorf

 

Bernhard Krüger (1789 ... 1796 +)

 

Helmuth Johann Friedrich Timm (1789 ... 1793 +) zuerst wohl in Warsow, zuletzt in Schlakendorf

 

Joachim Ernst Kröger (1793 ... 1796 +)

 

Friederich Paasch (1811 ... 1824 +) in Schlakendorf

 

Christoph Ballenstaedt (1813 bis 1818) in Schlakendorf, (ab 1818 ... 1819) in Schönkamp

 

Johann Friederich Rehberg (1814 ... 1819) in Schlakendorf

 

Hans Ulrich (1815) in Schlakendorf

 

Joachim Dörwald (1817)      

 

Christoph Lemcke (1818 ... 1819) in Schlakendorf

 

Joachim Röhrdanz (1819 ... 1852 +) in Schlakendorf

 

Christoph Friederich Hückstädt (1822 ... 1823) in Schlakendorf

 

Johann Ahrnd (1822) in Schlakendorf, vormals zu Thürkow

 

Johann Ludwig Schütt (1841) in Salem

 

Später gab es wohl keine speziell ausgebildeten Tabaksplanteure mehr, denn diese Berufsbezeichnung kommt in unserer Gegend nicht weiter vor. Der Tabakanbau hatte seine Bedeutung verloren. Allerdings wurde nach 1945 bis Ende der 50ger Jahre in Neukalen wieder Tabak angebaut, damit die DDR Devisen einsparen konnte.

 

Das Zigarrenrauchen verbreitete sich in Mecklenburg zeitlich nach dem Pfeifenrauchen.  Die Zigarren wurden aus getrockneten, fermentierten und meist geschnittenen Tabakblättern gefertigt und von einem Umblatt (Wickel) umschlossen. Über das Umblatt wurde das Deckblatt gerollt und abschließend kam bei der vornehmen Zigarre die berühmte Bauchbinde drauf. Die Zigarrenherstellung wurde zu einem handwerklichen Beruf. Carl Gallenbeck 1) war ab 1853 der erste Zigarrenmacher in Neukalen. Die späteren Zigarrenmacher nannten sich auch gerne Tabaksspinner oder Tabaksfabrikanten. Sie fertigten – oft zum Zuverdienst nebenbei in Heimarbeit - Zigarren an, wobei die Familienmitglieder mithalfen. Der anfangs verarbeitete Tabak aus der Umgebung hatte nicht die gewünschte Qualität. So ließen sie sich den aus Amerika stammenden Tabak aus dem Hafen Hamburg zur Verarbeitung anliefern.

Aus Neukalen sind folgende Zigarrenhersteller, Tabaksspinner oder Tabaksfabrikanten bekannt:

 

Carl Johann Georg Gallenbeck (ab 1853 bis 1856 +)

 

Carl Christian FriedrichGlöckner (1864 bis 1883)

 

Friedrich Franz Ferdinand Wilhelm Schmidt (1867 ... 1881)

 

Johann Carl Philipp Siegfried (1870)

 

Friedrich Ludwig Martin Johann Bülow (1870 ... 1871)

 

Franz Johann Christian Glöckner (1871 ... 1896 +)

 

Friedrich Wilhelm Siegfried Kottke (1880 ... 1901)

 

Johann Wilhelm Friedrich Grass (1882 +)

 

C. Lagemann (1883)

 

Rudolf Friedrich Martin Grass (1884 +)

 

Theodor Krüger (1885 ... 1895)

 

Friedrich Ludwig Martin Stahl (1885 ... 1936)

 

Friedrich Carl Ganzel (1896)

 

Wilhelm Glasow (1898 ... 1905)

 

Otto Wilhelm Johann Louis Dreyer (1901 ... 1908)

 

Gustav Carl Heinrich Ludwig Becker (1917)

 

 

“Öffentlicher Anzeiger” Nr. 48, 1883 (16.6.):

“Am Mittwoch, den 27. d. M., vormittags 10 Uhr, sollen in der Wohnung des Tabaksfabrikanten C. Lagemann zu Neukalen sämtliche in derselben befindliche gepfändete Gegenstände, namentlich:

1 Schneidemaschine, 1 Tabaksmühle mit Spinntisch, Arbeits- u. a. Tische, Cigarren u. Tabak in Papier, Kisten und Säcken, Cigarrenwickelformen (volle und leere), leere und unfertige Cigarrenkisten, auch 1 Kiste mit Cigarren-Brettern, ferner 1 Bettstelle, Betten, Stühle pp. öffentlich versteigert werden.                                 

                     Grotrian,

Gerichtsvollzieher in Dargun u. Neukalen.”

 

 

Wegen der Feuersgefahr war das Rauchen in den Straße und zwischen den Scheunen strengstens verboten:

 

„An den Stadtdiener Bielefeld zur Ansage Haus bei Haus.

Höheren Ortes ist dem Magistrate die Aufgabe geworden, mit großer Strenge darauf zu achten, daß so wohl in den Straßen als zwischen den Scheunen weder Tabak noch Zigarren geraucht gewerden.

Wir Bürgermeister und Rath befehlen allen hiesigen Einwohnern sich auf das Genaueste hiernach zu achten, und fügen noch hinzu, daß jedem Contravenienten die gesetzliche Strafe ohnfehlbar treffen wird.

Neukalden den 9 May 1835.                     

Bürgermeister und Rath

Petri“

 

 

„Wenn höhren Orts dem Magistrate die Aufgabe geworden, das feuergefährliche Tabackrauchen nicht länger zu dulden, und die desfalsigen Landesgesetze in Kraft treten zu lassen; so wird hiedurch bekannt gemacht:

daß ein Jeder, welcher auf der Straße oder zwischen den Scheuern mit einer brennenden Pfeife oder Zigarre wird betroffen werden, unfehlbar die gesetzliche Strafe wird zu gewärtigen haben.

Neukalden 23 Septbr 1837                                   

der Magistrat                                                                    

G.  OFS.

 

Vorstehends Notificat ist durch dreymaligen Ausruf bekannt zu machen.“

 

Ausrufer H. Schulz vermerkte dazu:

„Auf Bifähl habe ich dieses drey Mahl ausgerufen, am 25.- 26.- und 28. Sept. 1837.“

 

 

 

1) Carl Johann Georg Gallenbeck, geb. am 16.4.1827 in Neukalen, gest. am 20.8.1856 in Neukalen. Er hatte den Beruf eines Riemers erlernt.